Demenz bei Tieren / Beitrag aus Tiere suchen ein Zuhause

Demenz bei Tieren / Beitrag aus Tiere suchen ein Zuhause

Beitragvon Coco » Mo 11. Okt 2010, 11:24

Unsere Tiere werden immer älter. Typische Alterserscheinungen – wie zum Beispiel Arthrose, Nierenleiden oder Herzschwäche – werden mit Medikamenten behandelt. Gutes Futter, artgerechte Haltung und die Tiermedizin machen ein längeres Leben möglich. Wenn aber die grauen Zellen nachlassen und Tiere ihr Verhalten ändern, könnte es sich um Alzheimer handeln. Diese Erkrankung gibt es inzwischen auch bei Hunden und Katzen.

Wir haben Uta R. getroffen, die gleich mehreren dementen Tieren einen liebevollen Lebensabend bereitet. Ein Beispiel, wie Tiere und ihre Besitzer bis ins hohe Alter harmonisch zusammenleben.
Demenz beim Hund

Otto ist 15 Jahre alt und altersdement. Der eigene Garten wird für Otto oft zum Irrgarten, wenn er mal wieder die Orientierung verliert. Uta R. hat ein Herz für alte Tiere und weiß, dass sie immer ein bisschen mehr nach ihrem vergesslichen Otto schauen muss, und berichtet aus ihrer täglichen Erfahrung: „Der verläuft sich fast überall. Oder er guckt nur einmal kurz in eine andere Richtung, dann hat er vergessen, wo der Weg langgeht, obwohl wir den schon oft gegangen sind. Und da muss ich ihn so ansprechen, dass er mich anguckt, denn er hört ja nichts mehr. Durch Berührungen weiß er dann, da ist Frauchen, und jetzt bin ich wieder da, wo ich hingehöre.“

Beim Spaziergang wollen alle auf ihre Kosten kommen. Frauchen und auch die anderen Hunde. Aber Otto ist nicht mehr der Schnellste, und so fährt er eben mit – im Kinderwagen. Das ist für die gesamte Hundebande eine gute Lösung, denn nur hinaus in den Garten, das wäre selbst Otto viel zu langweilig. Denn auch ein alter Hund braucht das Rausgehen als Anregung. Auch wenn er kaum noch etwas sehen und hören kann, kompensiert er die nachlassenden Sinnesleistungen mit denen, die noch funktionieren: Riechen und Tasten. Da wird eine fremde Spur auf dem Spazierweg interessant, und es kommt der Wille auf, hinterherzugehen, zu laufen, auch, wenn die alten Knochen nicht mehr ganz so rüstig sind wie früher. Beim Schnüffeln empfindet er einfach Freude, und er genießt das Dabeisein. Das merkt Uta R. sehr genau. Außerdem tut Otto die Bewegung noch gut. Denn er hat schließlich Arthrose, und da heißt es: Wer rastet, der rostet. Uta R. ist der festen Überzeugung: „Er soll nicht vor sich hin dämmern. Das ist so ähnlich wie bei alten Menschen: Wenn die nur noch herumsitzen, dann verlieren die auch den Lebensmut.“

Zuhause bekommt Otto Spezialtraining: Uta R. bringt mit kurzen Spieleinheiten seine grauen Zellen auf Trab. Einfache Suchspiele holen ihn aus seiner geistigen Abwesenheit zurück ins Hier und Jetzt. Ein Futterball, ein einfaches Tuch oder umgedrehte Becher mit Fleischwurststückchen darunter versteckt, fördern Ottos noch vorhandene Sinne: Riechen, Tasten, Schmecken. Kurze Spieleinheiten von fünf bis zehn Minuten reichen ihm dabei völlig aus. Schließlich muss bei alten Tieren auf das erhöhte Schlafbedürfnis Rücksicht genommen werden. Ein weiterer Tipp ist, den Alltag nach klaren Strukturen und Zeiten ablaufen zu lassen: gleiche Fütterungszeiten, gleiche Spazierwege, die Möbel nicht umstellen, keine aufgedrehten, jüngeren Tiere anschaffen. Das schafft Orientierung und Sicherheit.

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Leiden Tiere mit Alzheimer?

Tierärztin Dr. Marion Schineller erklärt: „Die Tiere leiden an ihrer Erkrankung in der Regel nicht, denn der Verfall der Gedächtnisleistung verursacht ja keine körperlichen Schmerzen. Das ist vergleichbar mit Alzheimer beim Menschen. Aber sobald die Medikamente oder die alternativen Möglichkeiten nicht mehr anschlagen, das Tier nur noch unter sich macht, nicht mehr ansprechbar ist, es kaum noch aufstehen kann, fast gar nichts mehr frisst, dann sollte man überlegen, ob Einschläfern eine Thematik wäre. Aber bis dahin sollten Tierhalter ihr Tier immer wieder einbeziehen, es ansprechen, sich mit ihm beschäftigen, statt es in der Ecke verkümmern zu lassen.“





Quelle: WDR /TseZ
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Coco
 
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