Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folgen

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Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folgen

Beitragvon WineTittler » So 21. Dez 2014, 19:27

Im Juli hatten wir Wochenendbesuch von einem kleinen Hund. Alles war wie immer, keinerlei Auffälligkeiten. Einige Tage später jedoch mußte ich zu meinem Entsetzen feststellen, daß wir die Bude voller Flöhe hatten. Von den Hunden waren Alma (trotz Prophylaxe mit Advantix) und Toni (Flohhalsband, da er kein SpotOn verträgt) betroffen - Diana (Prophylaxe mit Advantage) nicht. Außerdem alle 4 Katzen, die noch nie im Leben mit Flöhen Kontakt hatten und aufgrund ihrer Haltung (Haus und Freigehege) auch nicht mit SpotOn o.a. behandelt waren.

Da Toni hoch allergisch auf Flöhe reagiert und weder SpotOn noch Tabletten verträgt, sondern davon richtig schlimm krank wird, war dieser massive Flohbefall aller Tiere hier für ihn sehr kritisch. Es hat über 2 Monate gedauert, bis das Flohproblem gelöst war - mit mehrmaliger Behandlung aller Tiere, x Liter Giftspray für die Wohnung, täglich 2-3x alle Hunde- und Katzenbetten/-decken gewechselt und gewaschen.

Es zeigt sich, daß nicht nur Toni ganz extrem auf Flöhe reagiert, sondern auch einer meiner Kater - der rote Norwegische Waldkater Robert. Das wußte ich bisher nicht, daß er ja noch nie Flöhe hatte. Robert ging es durch die Behandlung mit Tabletten und SpotOn sehr schlecht. Sein Immunsystem brach zusammen, er verlor sehr schnell viel Gewicht. Nachdem die Flohplage hier endlich beseitigt war, erholte Robert sich zunächst, nahm auch wieder etwas zu. Doch sein Immunsystem erholte sich nicht wieder - er bekam ein eosinophiles Granulom - unter der Zunge! Die Schwellung war so groß, daß er sein Maul überhaupt nicht mehr schließen konnte. Durch AB/Kortison-Spritzen über etwa 2 Wochen bildete sich das Granulom vorübergehend zurück. Dann kam es aber wieder - noch heftiger als beim ersten Mal. Robert bekam einige Wochen Atopica, das Granulom verschwand und kam auch nach dem Absetzen des Atopica nicht wieder. Robert hatte noch mehr abgenommen, da er ja aufgrund der Schwellung im Maul nicht fressen konnte. Ihm ging es dann wieder besser, er fraß gut, nahm aber nicht recht zu. Am letzten Novemberwochenende ging es Robert nicht gut - er hielt sich am liebsten im Bad unter der Heizung auf, trank aber noch, benutzte das Katzenklo ganz normal, Output war OK. Sonntag wollte er dann nicht mehr fressen, trank aber, war auch nicht blaß - machte also nicht den Eindruck, als sei es Zeit für den Rettungshubschrauber. Montag bin ich gleich morgens zum Tierarzt. Nach der Blutabnahme bekam er den üblichen Cocktail aus AB, Kortison und Schmerzmittel, da so nicht festzustellen war, was im fehlt. Ich bin dann wieder mit ihm nach Hause, habe mich mit Buch auf´s Sofa gesetzt, Robert auf´m Schoß, wo er schnurrend geschlummert hat. Etwa 2 Stunden später hat Robert einmal kurz aufgeschrien - und war tot.

Robert - 24.11.2007-01.12.2014

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Auch Toni ging es durch die Behandlung mit Tabletten und SpotOn sehr schlecht. Er bekam von den Flohbissen und den Mitteln so extremen Juckreiz, daß er dauerhaft die Tröte tragen mußte. Von der Leine konnte ich ihn auch im Freilauf nicht mehr lassen, weil er dann sofort anfing, sich überall zu kratzen und blutig zu beißen. Als die Flöhe endlich beseitigt waren, änderte sich an Tonis Zustand leider nichts. Es ging ein monatelanger Diagnose- und Therapie-Versuchs-Marathon los. Bluttest unauffällig; MMK-Test negativ; Hautgeschabsel ohne Befund; Kortison hochdosiert über längere Zeit - absolut ohne Wirkung; Homöopathie; Akupunktur; zweimalige Ivomec-Spritzen und Advocate SpotOn - keine Veränderung. Wir haben alles ausprobiert, auch nachher einfach auf Verdacht - es paßte alles nicht zusammen. Es wurde immer schlimmer, der Juckreiz immer stärker. Zwischendurch sah es einige Male kurzfristig so aus, als würde es besser - aber nach wenigen Tagen kam immer wieder der Rückschlag. Nach dem Ivomec kam das Advocate als letzter Versuch. Zunächst sah es ganz gut aus, so daß ich fast schon ein wenig Hoffnung hatte. Hier im Haus unter Aufsicht habe ich Toni so oft es ging die Tröte abgenommen. Vorgestern schlief er tief und fest ohne Tröte auf dem Sofa - ich mochte ihn nicht wecken und bin nur schnell runter, um mir einen Kaffee zu kochen. Als ich 10 Minuten später wieder oben war, hatte Toni sich wieder den ganzen hinteren Rückenbereich und ein Hinterbein komplett blutig gebissen. Das war der Punkt, an dem ich mir eingestehen mußte, was mein Verstand schon länger wußte - wir schaffen es nicht, wir kriegen seinen extremen Juckreiz nicht gestopt. Das war der Punkt, an dem ich beschlossen habe, Toni nicht länger diesen dauerhaften Qualen auszusetzen, so sehr mir auch das Herz blutet. Aber er hatte keinerlei Lebensqualität mehr - schon seit so vielen Monaten - ständig dieser Juckreiz, der ihn verrückt machte. Gestern morgen habe ich ihn auf seinem letzten Weg begleitet.

Toni - ca. 2006-20.12.2014

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Robert hatte ich im Katzengehege beerdigt - und sein großer Freund Toni liegt jetzt wieder an seiner Seite - für beide brennt ein Licht, das ihnen den Weg über die Regenbogenbrücke weist.

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Die vergangenen Monate waren grauenvoll und kaum zu ertragen. Roberts plötzlicher Tod hat mich so geschockt - ich kann es bis heute nicht fassen. Und daß ich dann für Toni so eine furchtbare Entscheidung treffen mußte, hat mir den Rest gegeben - ich bin mit den Nerven am Ende. Monatelang immer und immer wieder hoffen, hoffen, hoffen, daß wir Toni helfen können - dieses ewige Auf und Ab, sein Anblick kaum zu ertragen, er tat mir so leid - und ich konnte ihm nicht helfen. Wenn ein Tier schwer/unheilbar krank ist und es nur noch leidet, bricht es mir zwar auch das Herz, aber dann gibt es ja nur die eine Lösung, um ihnen weiteres Leiden zu ersparen. Damit kann ich um. Aber Robert und Toni unter diesen Umständen zu verlieren - ohne bei beiden jemals die Antwort auf das Warum? zu bekommen - das macht mich fertig, damit komme ich nicht klar.


Abschließend möchte ich noch sagen, daß der Besuchshund aus einem sehr gepflegten Haushalt stammt und sehr sorgfältig gepflegt und medizinisch betreut, außerdem sehr regelmäßig auf seine Ungezieferprophylaxe geachtet wird. Doch leider hat auch bei ihm das SpotOn nicht mehr gewirkt - wie bei so vielen Hunden (bei meiner Alma ja auch). Ich kann seinem Frauchen somit gar keinen Vorwurf machen - es war ihm nicht anzumerken, er hat sich auch hier an dem Wochenende nicht einmal gekratzt oder gebissen, sonst wären bei mir ja gleich die Alarmglocken losgegangen. Sein Frauchen hat mich einige Zeit nach seinem Besuch angerufen und gewarnt, nachdem sie bei ihm den Flohbefall festgestellt hat. Aber da hatte das Drama hier ja schon seinen Lauf genommen - da war bereits alles zu spät für Robert und Toni.

Ich kann nur jedem Hunde- und (Freigänger-)Katzenbesitzer raten, ihre Tiere trotz SpotOn regelmäßig auf Flöhe zu untersuchen - um sich selbst, vor allem aber andere Artgenossen, die genauso allergisch drauf reagieren könnten wie mein Robert oder Toni, zu schützen.
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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon Pfoten-News » So 21. Dez 2014, 20:03

Was für ein Leidensweg !
... und so unnötig. traurig3

Eine Kerze für Robert und Toni
kerze5

Dir und den Deinen wünsche ich ganz viel Kraft für die kommende Zeit.

Leider habe ich die Erfahrung mit dem "versagenden" Flohschutz auch schon gemacht, allerdings mit wesentlich glimpflicherem Ausgang.

Inzwischen sprühe ich Fußmatte/Eingangstürbereich regelmäßig mit Flohzeug ein (um einschleppen von draußen möglichst zu unterbinden) und wechsele bei den Hunden/Katzen jeweils den Wirkstoff.
Fipronil wirkt hier bei uns fast gar nicht mehr.
Viele Grüße
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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon p-uli » So 21. Dez 2014, 20:25

Welche Verkettung unglücklicher Umstände traurig4

run free, Robert und Toni

kerze5
Lieber Gruss

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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon Claudia » So 21. Dez 2014, 22:52

Was für furchtbare Umstände. traurig4

Es tut mir so leid Anja und ich wünsche dir viel Kraft. knud_del

R.I.P. Robert und Toni
kerze5
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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon MoLe » Mo 22. Dez 2014, 10:57

Das ist unfaßbar traurig4
Anja, das tut mir so leid, was du durchgemacht haben ist, ist nicht nach zuvollziehen. Ich wünsch dir viel Kraft und alles Gute.

Für Robert und Toni

kerze4
Liebe Grüße
Monika mit Leila
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Die Treue eines Hundes ist ein kostbares Geschenk, das nicht minder bindende moralische Verpflichtungen auferlegt als die Freundschaft zu einem Menschen (Konrad Lorenz)
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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon Inge » Mo 22. Dez 2014, 15:27

es tut mir so leid, dass deine beiden Schätze so leiden mussten traurig3

Für Robert konnte ich ja keine Kerze anzünden, aber für Toni hat sie fast 2Tage ununterbrochen gebrannt.

Eins meiner Lieblingszitate für Robert, Toni und dich:

Wenn Du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es Dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können! Und wenn Du Dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.
liebe Grüße von Inge und Leo mit Frodo im Herzen
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Als du gingst, war noch keiner dafür bereit,
weil wir dachten - es wäre noch so viel Zeit. (Verfasser unbekannt)
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Re: Besuch von einem verflohten Hund mit katastrophalen Folg

Beitragvon Inge » Mo 22. Dez 2014, 15:39

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