Erste Hilfe im Notfall

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Erste Hilfe im Notfall

Beitragvon Coco » Do 16. Sep 2010, 09:41

Eine fachgerechte Erstversorgung durch den Tierhalter bis zum Transport in die tierärztliche Praxis oder Eintreffen des Tierarztes kann entscheidend dazu beitragen, dass Notfälle wie Verletzungen, Vergiftungen, Verbrennungen, Unterkühlung oder Überhitzung für den Hund glimpflich abgehen. Um im Ernstfall richtig handeln zu können, lassen Sie sich die Maßnahmen, die Sie im Einzelfall ergreifen können, von Ihrem Tierarzt zeigen oder besuchen Sie einen Erste Hilfe-Kurs, der von vielen Tierarztpraxen angeboten wird.

Abweichungen von der Normalität können Sie selbst einschätzen, wenn Sie mit einigen Kriterien vertraut sind, die beim Hund zur Beurteilung des Gesundheitszustandes herangezogen werden. Dazu gehören:
  • Körpertemperatur
    Die Normalwerte liegen beim Hund zwischen 37,5° und 39° C. Bei starker Aufregung oder Überanstrengung steigt die Körpertemperatur, ohne dass eine Erkrankung vorliegt.
  • Schleimhäute
    Lidbindehäute und Mundschleimhaut sind beim gesunden Hund rosa. Bei starker Blutung bzw. Blutarmut sieht die Schleimhaut porzellanfarben aus.
  • Puls und Herzschlag
    Der Herzschlag ist an der linken seitlichen Brustwand fühlbar, der Puls in der Mitte der Oberschenkelinnenseite.
    Normalwert: 80 – 120 Schläge pro Minute.
  • Atmung
    Sichtbar am Heben und Senken des Rumpfes.
    Normalwert: 10 – 30 Atemzüge pro Minute.
  • Pupillen- u. Lidreflex
    Bei plötzlichem Lichteinfall verengt sich die Pupille. Bei leichter Berührung des Auges erfolgt ein sofortiger Lidschluss.
  • Stuhlgang
    In Abhängigkeit von der Fütterung sollte der Kot braun bis dunkelbraun und fest geformt sein.

Die wichtigsten Regeln für den Notfall:
  1. Ruhe bewahren
    Nur so können Sie richtig entscheiden und handeln. Bedenken Sie immer, dass sich Ihre Ruhe auch auf den Hund überträgt.
  2. Telefonnummer des Tierarztes parat halten
    Lernen Sie sie auswendig oder halten Sie sie immer griffbereit – nicht nur am häuslichen Telefonapparat, auch im Erste-Hilfe-Koffer Ihres Autos.
  3. Tierarzt verständigen
    Kündigen Sie den Notfall bei Ihrem Tierarzt an, damit dieser bis zu Ihrem Eintreffen eventuell nötige Vorbereitungen treffen kann. Er wird gegebenenfalls auch individuelle Hinweise zum Transport geben.
  4. Schnauzenband, Maulkorb anlegen
    Dies ist eine Maßnahme zu Ihrer eigenen Sicherheit, die Sie vor einer eingehenden Untersuchung und vor Transportmanipulationen ergreifen sollten. Verletzte oder unter Schock stehende Hunde können unkontrolliert zubeißen.

Erste Hilfe-Maßnahmen

  1. Vergiftung
    Bei Vergiftungsverdacht müssen Temperatur, Schleimhäute, Puls und Pupillenreaktion überprüft werden. Haben Sie den Hund beim Fressen einer giftigen Substanz erwischt, sollten Sie folgende Informationen erfassen:
    • Was wurde gefressen
    • Wie viel wurde gefressen
    • Wann wurde die Substanz gefressen
    Nehmen Sie vorhandene Reste zum Tierarzt mit. Dies gilt auch dann, wenn der Hund nur mit der Haut oder über die Atemwege Giftkontakt hatte.

    Hat der Hund ohne Ihr Wissen Gift aufgenommen, können Sie nur durch sein verändertes Verhalten aufmerksam werden. Je nach Giftart und –menge können folgende Symptome auftreten:
    • starkes Speicheln
    • Erbrechen
    • schwankender Gang
    • Durchfall
    • Kreislaufversagen (Zusammenbruch)

    Wichtig bei Vergiftungen: Den Hund nur unter tierärztlicher Anweisung zum Erbrechen bringen (besonders bei ätzenden Lösungen). Bei Augenreizungen und Hautverätzungen nur mit Wasser spülen und dann abdecken bis zur Versorgung durch den Tierarzt.


  2. Schwerwiegende Verletzungen
    Vor dem Transport in die Tierarztpraxis bzw. dem Eintreffen des Tierarztes:
      Bewusstsein überprüfen
      - Namen des Hundes rufen, dabei auf Ohren- Augen-, Schwanzreaktionen achten
      - Pupillen- und Lidreflex testen
      - Herz-/Pulsfrequenz, Atmung und Schleimhäute kontrollieren
      Bei Atemstörungen oder -stillstand:
      Hund auf die rechte Seite legen, Kopf etwas
      überstrecken, Fang öffnen, Zunge vorsichtig seitlich herausziehen, Maulhöhle und
      Rachen auf Erbrochenes kontrollieren, ggf. entfernen. Atmet der Hund trotz freier
      Atemwege nicht, künstlich beamten: Zunge in die Maulhöhle schieben, Schnauze
      zuhalten, Tuch über die Nase legen und 5 – 6 mal in die Nase blasen (Brustkorb
      muss sich heben), ca. 1 Minute warten ob die Spontanatmung wieder einsetzt.
      Wenn nicht, mit ca. 20 Atemstößen pro Minute weiter beatmen. Atmet der Hund
      nicht innerhalb von 10 Minuten wieder selbständig, sollte die Beatmung beendet
      werden.
      Bei Herzstillstand:
      Wenn der Hund weder atmet noch das Herz schlägt, Tier in rechte Seitenlage
      bringen, Maulhöhle auf Fremdkörper kontrollieren, dann 10 mal den Brustkorb
      hinter dem linken Ellbogen mit flach aufgelegter Hand zusammendrücken (bei
      kleinen Hunden sanfter, bei großen Hunderassen kräftiger Druck). Dann 2 mal
      beatmen und warten, ob Herzschlag und Atmung wieder einsetzen. Wenn nicht:
      Herzmassage und Beatmung in einem Verhältnis von 15 : 2 fortsetzen.
    1. Blutungen kontrollieren
      - Genau untersuchen: Wo blutet das Tier, welche Art Blutung (arteriell = pulsier-
      ender Fluss, hellrot; venös = Fluss kontinuierlich, dunkelrot).
      - Starke Blutungen an den Läufen im oberen Bereich der Gliedmaße durch
      Abbinden stillen (z. B. mittels Gürtel). An anderen Stellen und bei arteriellen
      Blutungen Druckverband anlegen.
      - Wunden mit sterilen Mullkompressen abdecken.
    2. Gliedmaßen kontrollieren
      Verletzte Gliedmaßen sind weich und stabil zu lagern. Ggf. Wunden steril abdecken
      und Gliedmaße vorsichtig dick mit Watte abpolstern und locker mit Mullbinde um-
      wickeln. Der Transport zur nächstgelegenen Tierarztpraxis ist schonend, schnell
      und möglichst zu zweit vorzunehmen. Für eine sichere und bequeme Lagerung
      muss gesorgt werden.


  3. Hitzschlag
    Kreislaufversagen infolge Überhitzung. Besonders gefährdet sind kurzhaarige Rassen. Der Temperaturausgleich durch Hecheln reicht nicht mehr aus. Die Körpertemperatur steigt durch den Hitzestau bis auf 42 ° C an.
    Symptome:
    - schnelles Hecheln
    - rasender Herzschlag
    - Mattigkeit
    - evtl. Krämpfe, Bewusstlosigkeit
    Hund sofort in den Schatten bringen und langsam abkühlen (nasse Tücher, fließ-
    endes Wasser). Immer an den Pfoten beginnen und langsam in Richtung Herz
    ausdehnen.

    Niemals das ganze Tier mit Wasser überschütten ( kann Schock auslösen).

  4. Magendrehung
    Der Magen dreht sich um seine Längsachse, sodass Speiseröhre und Zwölffingerdarm verschlossen werden. Dadurch bläht sich der Magen rasch mit Gasen auf, drückt gegen das Zwerchfell und behindert das Herz. Es besteht akute Lebensgefahr!
    Symptome:
    - schnelles Aufblähen des Bauches
    - Brechversuche ohne Entleerung von Mageninhalt
    - Atembeschwerden
    - Herz-Kreislauf-Versagen

    Bei geringstem Verdacht umgehend den Tierarzt verständigen und den Hund ohne Zeitverlust in die Praxis transportieren. In dieser Notfallsituation ist Schnelligkeit lebensrettend. Ist der Hund erst einmal bewusstlos, sind die Überlebenschancen gering.

  5. Insektenstiche
    Beobachten Sie nach einem Insektenstich starken Speichelfluss, Anschwellungen, Atembeschwerden, suchen Sie sofort einen Tierarzt auf.

Die Notfallapotheke

Medikamente:
  • Vaseline (Einfetten des Thermometers, Schutz der Sohlenballen im Winter, Liegeschwielen)
  • desinfizierende Wundsalbe vom Tierarzt
  • kühlende Salbe gegen Insektenstiche
  • Wunddesinfektionsmittel (milde antiseptische Lösung und Wasserstoffsuperoxid 3%)
  • sterile Kochsalzlösung (Spülflüssigkeit für Hautwunden und bei Fremdkörper im Auge)
  • Salben-Wundspray
  • Calcium-Trinkampullen (ausschließlich bei nachgewiesener Insektenallergie)
  • medizinisches Paraffinöl (zum Einflößen ins Maul, um harten Kot aufzuweichen)
Verbandsmaterial:
  • Mullbinden, 6 und 10 cm
  • Elastische Binden, 6 und 10 cm
  • Haftstützbinden, 7,5 und 10 cm
  • Kompressen, steril und unsteril
  • Verbandwatte
  • Pflasterrollen
Sonstiges:
  • Verbandsschere
  • kleine gebogene Schere
  • spitze und abgerundete Pinzette
  • digitales Thermometer
  • Einmal-Rasierer
  • Einmalspritzen
  • Zeckenzange
  • Wattestäbchen
  • Mundspatel
  • passender Maulkorb aus Nylon
Die Reiseapotheke

Die Reiseapotheke muss im Bedarfsfall neben der Notfall-Ausrüstung weitereMedikamente enthalten, die der Tierarzt für seine Patienten individuell zusammenstellt.
Bei Reisen in südliche Länder müssen zusätzliche Insektenschutzmittel enthalten sein (Infektionsschutz).

Quelle:S.m.i.l.e.

Weitere Informationen zu Parasiten / Infektionsschutz:
Urlaub - Riskantes Reisen in den Süden

Verbreitung von Parasiten / Übertragung von Krankheiten


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Aus unserem Leben bist du gegangen,
in unserem Herzen bleibst du.
Coco
 
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