Hintergrundinformationen: Verhütung / Trächtigkeit

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Hintergrundinformationen: Verhütung / Trächtigkeit

Beitragvon R e d a k t i o n » Mi 7. Mär 2012, 18:40

Hintergrundinformationen - Reproduktion bei Hund und Katze
Hunde

Die Läufigkeit
Der Eintritt der Geschlechtsreife wird beim weiblichen Hund durch die erste Läufigkeit gekennzeichnet, die im Alter von sieben bis 14 Monaten auftritt. Rüden erlangen ihre Zeugungsfähigkeit in etwa im gleichen Alter. Kleinere Hunde werden im Allgemeinen früher geschlechtsreif als Hunde großer Rassen. Die meisten Hündinnen werden alle fünf bis acht Monate läufig. Die Läufigkeit dauert insgesamt etwa drei bis vier Wochen. In der ersten Phase der Läufigkeit (Proöstrus) hat die Hündin „blutigen“ Scheidenausfluss. Dadurch angelockte Rüden werden aber meistens abgewehrt. In der zweiten Phase der Läufigkeit (Östrus) wird dieser Ausfluss klar. Im Östrus gibt es einige Tage, an denen die Hündin „aufnahmebereit“ ist. Sie ist dann besonders attraktiv für Rüden und würde sich auch decken lassen. Die sicherste Form der Verhütung beim Hund besteht darin, das Auftreten der Läufigkeit zu verhindern. Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer der Hündin beträgt 63 bis 65 Tage, die Anzahl der Welpen pro Wurf schwankt etwa zwischen drei und zwölf Tieren.

Die Kastration
Eine Methode ist die Kastration. Damit ist die vollständige chirurgische Entfernung der Eierstöcke gemeint. Die Hündin kann dann nicht mehr läufig werden und nie wieder Junge bekommen. Ein weiterer großer Vorteil der Kastration ist, dass kastrierte Hündinnen seltener Gesäugetumore bekommen als nicht kastrierte Tiere. Auch eitrige Entzündungen der Gebärmutter werden weitgehend ausgeschlossen und auch Scheinschwangerschaften verhindert. Für die Kastration ist eine Vollnarkose erforderlich, weil es sich um einen operativen Eingriff handelt. Bei gesunden Hündinnen sind die damit verbundenen Risiken aber gering.

Einige Hündinnen neigen nach der Kastration zur Gewichtszunahme. Hier hilft nur Bewegung und Maßhalten bei der Fütterung. Einige Hündinnen entwickeln nach der Kastration eine Blasenschwäche, die sich meist unter Behandlung bessert. Veränderungen des Haarkleids nach einer Kastration können außerdem vorkommen.

Es gibt neben der Kastration eine weitere Möglichkeit, die Läufigkeit zu verhüten. Dafür bekommt die Hündin in der Zeit zwischen zwei Läufigkeiten ein Hormon, ein sogenanntes Gestagen, injiziert. Das Hormon hat eine Langzeitwirkung und muss alle vier bis fünf Monate gegeben werden. Die exakten Zeiten müssen mit dem Tierarzt besprochen und genau eingehalten werden. Bei den meisten Hündinnen lässt sich auf diese Weise eine Läufigkeit problemlos über viele Jahre hinweg unterdrücken. Als Vorteil ist anzusehen, dass keine Operation notwendig ist und dass die Behandlung jederzeit wieder abgebrochen werden kann. Bei den meisten Hündinnen stellt sich dann nach einigen Monaten wieder ein normaler Sexualzyklus ein und sie können wieder Nachwuchs bekommen. Allerdings haben auch einige mit Gestagenen behandelte Hündinnen Gewichtsprobleme, denen man mit viel Bewegung und reduzierter Kost begegnen sollte. Auch die Wahrscheinlichkeit einer Gebärmutterentzündung soll unter Hormonbehandlung höher sein.

Auch Rüden können kastriert werden. Ein operativer Eingriff ist notwendig, wenn beide Hoden entfernt werden. Die Kastration ist aber auch hormonell möglich, beispielsweise mittels eines Implantates. Durch das Setzen des Implantates wird das männliche Hormon Testosteron nicht mehr gebildet. Der Rüde ist dann über einen begrenzten Zeitraum nicht mehr fruchtbar. Er kann aber, wenn gewünscht, nach Ende der Wirkdauer wieder erfolgreich decken. Diese Alternative ist auch geeignet um zu prüfen, ob mit einer Kastration Verhaltensprobleme, wie übersteigerter Sexualtrieb, Markieren oder Streunen beseitigt werden können. Falls keine Änderungen eintreten, macht auch die operative Kastration keinen Sinn.

Warum werden Hündinnen scheinträchtig?
Die Scheinträchtigkeit ist ein evolutionärer Gruß aus der Vorzeit. Die Vorfahren unserer Hunde waren Wölfe, die in einem Rudel lebten. In der Regel hatte zunächst die ranghöchste Wölfin Nachwuchs und es gab nur einen Wurf im Rudel. Dass die Weibchen einen Sexualzyklus hatten, der auch ohne vorhergehende Trächtigkeit zur Milchproduktion führen konnte, war für die Welpen manchmal wichtig zum Überleben. Wenn die Mutter durch Krankheit oder Tod ausfiel, konnten andere Wölfinnen die Wurfpflege und das Säugen übernehmen. Dieses wölfische Erbe, eine Möglichkeit zur Sicherung des Nachwuchses in der Gruppe, ist in unseren Hunden erhalten geblieben und äußert sich in der eher unangenehmen Begleiterscheinung der Scheinträchtigkeit.

Die Milchdrüsen der Hündinnen schwellen nach einer Läufigkeit an und oft tropft sogar Milch aus den Zitzen. Die Hündinnen zeigen Brutpflegeverhalten: sie bauen ein „Nest”, schleppen verschiedene Gegenstände dort hinein und bewachen und behüten diese wie ein Junges. Sie können dabei auch aggressives Verhalten zeigen, so als hätten sie tatsächlich Nachwuchs und müssten Gefahren von ihm abhalten. Dies ist ein völlig normales Verhalten, welches auch wieder verschwindet, sobald die Scheinträchtigkeit nachlässt. Man kann versuchen, die Hündin möglichst viel zu beschäftigen, damit sie abgelenkt ist. Das intensive Lecken des Gesäuges regt die Milchproduktion an und kann die Scheinträchtigkeit verlängern. Bei starker und übermäßig langer Milchproduktion gibt es mittlerweile auch Medikamente, die helfen, diese zu unterdrücken. Erhöhte Hitze, Schwellungen und Rötungen der Zitzen, der Milchausfluss, aber auch der Milchstau animieren die Hündin zudem zum Lecken an dem eigenen Gesäuge, eine Gesäugeentzündung kann die Folge sein. Das Auftragen einer schmerzstillenden Salbe bringt der Hündin Erleichterung.

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Quelle: BfT
R e d a k t i o n
 

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